Antwortschreiben der CDU


Hamburg, den 14. Mai 1999
Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank für Ihren Brief vom 1. Mai diesen Jahres, in dem Sie unter dem Titel "Teilnahme am gemeinschaftlichen Völkermord" die Drogenpolitik in Deutschland thematisieren.

Alkohol ist ein in unserer Kultur integriertes Genußmittel. Der Genuß, nicht der Rausch, ist beim Konsum von Alkohol in den allermeisten Fällen das Ziel. Selbstverständlich sind die Gefahren von Alkohol- und Tabakprodukten sehr wohl bekannt. Deshalb werden sie in der Bundesrepublik auch erst an Erwachsene abgegeben und zusätzlich stark besteuert, um ihren Konsum einzuschränken. Zusätzlich ist von staatlicher Seite ein sehr enges Netz von Therapieangeboten und Aufklärungsveranstaltungen geknüpft worden, um auf diese Weise vor den Gefahren zu warnen.

Der Begriff "Drogen" wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Synonym für illegale Substanzen, also Suchtmittel im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes verwendet. Alkohol und Nikotin gehören auch dazu, jedoch fallen sie nicht unter die illegalen Drogen. Eine Unterscheidung zwischen "harten" und "weichen" Drogen nimmt das Gesetz nicht vor, jedoch werden unter "weichen" Drogen die Cannabisprodukte Cannabiskraut (Marihuana) und Cannabisharz (Haschisch) verstanden, andere Rauschgifte wie die Opiate (Heroin, Morphium, Opium) und Kokain gelten als "harte" Drogen.

Ihr eigentliches Anliegen, die Legalisierung von Marihuana oder Haschisch, lehenen wir aus mehreren Gründen ab:

Wir befürchten, daß durch die Legalisierung von Cannabisprodukten die unter Drogeneinfluß begangenen Straftaten, insbesondere im Straßenverkehr, zunehmen werden. Die langsamen Abbauzeiten des THC im Körper rufen erhebliche Beeinträchtigungen der Sensorik und Motorik hervor, die sich bei Jugendlichen noch verheerender auswirken (Wesensveränderungen, Echoeffekte, Halluzinationen, Psychosen). Hinzu kommen die verschiedensten Auswirkungen auf die Körperorgane, von Auswirkungen auf ungeborenes Leben ganz zu schweigen.

Darüber hinaus glauben wir, daß Haschisch die Einstiegsdroge ist. Diese Tatsache wird von Wissenschaftlern weltweit immer wieder bestätigt. Ein Großteil der Erstkonsumenten greift später zu härteren Drogen und gefährdet seine Gesundheit.

Ein weiterer Aspekt ist der internationale Drogenhandel, durch den jährlich hunderte von Milliarden Dollar verdient werden und dessen schmutziges Geld ganze Volkswirtschaften aus dem Gleichgewicht bringt. Es ist eine Illusion zu glauben, diesen Kartellen durch staatliche Drogenfreigabe das Wasser abgraben zu können, da sie ständig neue, billigere und noch süchtiger machende Produkte auf den Markt bringen würden.

Zu Ihrer Information füge ich Ihnen unser Pressekonferenzpapier zur Drogenpolitik bei, welches die Drogenpolitik durchaus differenziert betrachtet.

Mit freundlichem Gruß

Annette Hitpaß
-Wiss. Referentin-

 

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