Auf St. Pauli bzw. in einzelnen Quartieren des
Stadtteils (St. Pauli-Nord/Wohlwillstraße; Karoviertel)
hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Bemühungen
gegeben, die katastrophale und für die BewohnerInnen oft
unerträgliche Verkehrsbelastung in den Griff zu bekommen.
Dazu gehören z.B. lokale Verkehrsberuhigungsmaßnahmen
(Clemens-Schultz-Straße und Pferdemarkt), aber auch
weitergehende Planungen und Projekte
- wie das Verkehrskonzept für das Sanierungsgebiet
Karolinenviertel, zu dem auch der südöstliche Teil
des Schanzenviertels zwischen Schulterblatt, Bahnlinie
und Schlachthof gehört;
- oder die Einführung des AnwohnerInnenparkens in
St. Pauli-Nord im Gebiet um die Wohlwillstraße.
Ein "Erfolg" dieser Projekte ist teilweise nicht oder
nur schwer erkennbar, da sie entweder noch gar nicht
(Verkehrskonzept) oder nur unter großen Schwierigkeiten
(AnwohnerInnenparken) umgesetzt werden konnten.
Bisher wurden wesentliche VerkehrsverursacherInnen -
und damit AnsprechpartnerInnen für die Erarbeitung
von Lösungen der Verkehrsprobleme - noch gar nicht
einbezogen. Dazu zählen wir z.B. die Hamburg Messe AG
oder die Dom-VeranstalterInnen, vertreten
durch den Schaustellerverband und das Domreferat
der Wirtschaftsbehörde.
Statt dessen wurde - und wird auch zukünftig -
durch die Errichtung neuer Großbauten (Millerntor-Hochhaus),
die Durchführung weiterer Neubauoprojekte (Laue-Gelände)
und verschiedene Planungen von Seiten privater
InvestorInnen (Niebuhr-Hochhaus, CineMaxx-Kino),
der Baubehörde und des Oberbaudirektors E. Kossak
weiterer Verkehr, insbesondere Autoverkehr,
nach St. Pauli "gelockt".
Es gibt jedoch auch ein erstes positives Beispiel für die
Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen einem
Investor und verschiedenen weiteren AkteurInnen
(AnwohnerInnen, Verkehrsunternehmen):
Zu den privaten Projekten zählt auch die
Erweiterung und der Umbau des St. Pauli-Stadions
auf dem Heiligengeistfeld. Hier zeichnet sich die -
beispielhafte und zukunftsweisende -
Bereitschaft eines privaten Investors ab,
auch eine stadtteilverträgliche Lösung
der Verkehrsprobleme in seine Planungen mit
einzubeziehen. Der Vorstand des FC St. Pauli
unter Leitung des Vereinspräsidenten H. Weisener
förderte dazu im Juni und September 1997
zwei Diskussionsveranstaltungen unter dem Motto
"Wir bewegen St. Pauli". Bei diesen
Veranstaltungen wurden nicht nur die
Verkehrsprobleme im Zusammenhang mit der
bisherigen und zukünftigen Nutzung des St.
Pauli-Stadions diskutiert, sondern darüber
hinaus die gesamte Verkehrssituation rund um's
Heiligengeistfeld.
Neben der Teilnahme an diesen Veranstaltungen
waren weitere Etappen unserer Aktivitäten
als Verkehrsini Karoviertel u.a.:
- Flugblätter, Unterschriftensammlung
und zahlreiche Kontakte und Gespräche
im Zusammenhang mit dem Projekt eines Großparkhauses
("Tonne") auf dem Heiligengeistfeld in unmittelbarer
Nachbarschaft zu unserem Quartier,
- die kritische Beobachtung einer
zusätzlichen Verschlechterung der
Verkehrssituation im Schanzenviertel durch
die Eröffnung des neuen Kommerz- und
Veranstaltungszentrums "Schlachthof Hamburg" am
Neuen Kamp. (Durch die Eröffnung dieser
Einrichtung - mit teils nächtlichen Veranstaltungen -
ohne Abstimmung mit den AnwohnerInnen wird
insbesondere das östliche Schanzenviertel zusätzlich belastet),
- die Unterstützung einer Stellplatzuntersuchung
für das gesamte Umfeld des Heiligengeistfeldes im
Auftrag des Bezirks Mitte durch das Gutachterbüro ARGUS.
Im Laufe unserer bisherigen Aktivitäten
sind uns natürlich zahlreiche Mängel bei der
Verkehrsplanung und Lösung der zunehmenden
Verkehrsprobleme aufgefallen. Dazu gehören u.a.
- die oft widersprüchlichen oder
sogar ablehnenden Positionen der Behörden:
während es z.B. in der Stadtentwicklungsbehörde
StEB erste Ansätze zur Entwicklung
integrierter Konzepte gibt (Quartiersentwicklungsplan),
stießen wir in der Bau- und Verkehrsbehörde
(unter Leitung des Senators E. Wagner) fast
nur auf Desinteresse oder sogar auf Mißtrauen
und anhaltenden Widerstand gegen alle Vorschläge
von BürgerInnen;
- die mangelnde Einbeziehung anderer AkteurInnen
bei der Abstimmung und Koordination der Planungen
für große und kleine Einzelprojekte auf St. Pauli.
InvestorInnen bzw. VeranstalterInnen und ÖPNV-Unternehmen
planen - wie es uns scheint - häufig, ohne sich
gegenseitig abzustimmen oder auch nur Informationen
auszutauschen, aneinander vorbei. Zukünftig trägt
die neue Mobilitätszentrale des HVV hoffentlich
zu einer Verbesserung dieser Situation bei.
Aus unseren bisherigen Erfahrungen und
Aktivitäten haben wir einige Forderungen
für Zukunftsperspektiven entwickelt:
St. Pauli braucht dringend ein integriertes
Verkehrskonzept entsprechend der AGENDA 21.
Bei der Projektentwicklung muß,
nicht zuletzt durch intensive Beteiligung
von BürgerInnen und Gewerbetreibenden,
die Entwicklung eines Modellprojektes
zur nachhaltigen Entwicklung des Lebensraums
Stadt sichergestellt sein. Diese Zielsetzung
bietet mehrere Vorteile:
- Durch Nutzung der Orts- und damit Fachkunde
der BewohnerInnen können sicher erhebliche Kosten
gespart werden.
- Fördermaßnahmen für den nichtmotorisierten
Verkehr (z.B. Schaffung von Radwegen und -stellplätzen,
Sicherung von Fußgängerüberwegen, Förderung und/oder
Anlage eines Rad- und Fußwegenetzes abseits
der Autostraßen, besondere Rücksichtnahme auf
RollstuhlfahrerInnen durch Abbau von Barrieren)
kommen insbesondere dem Stadtteil zugute.
- Die Einbeziehung der unterschiedlichsten
BewohnerInnen in den Planungsprozeß vermindert
Widerstände und erhöht die Akzeptanz und die
Identifikation - und damit auch die Bereitschaft zum
verantwortungsbewußten Umgang - mit der städtischen
Umwelt in unserem Stadtteil und seinen Quartieren,
denn St. Pauli - als einer der am dichtesten besiedelten
Stadtteile Hamburgs - und seine BewohnerInnen
haben bereits genügend andere Probleme zu lösen
(Armut und zugleich extreme Einkommensunterschiede,
Integration verschiedenster Gruppen, Müll durch
Großveranstaltungen und das "Amüsiergewerbe").
Ziel muß schließlich die Verminderung
des motorisierten Individualverkehrs
bzw. eine umfassende Verkehrsvermeidung sein!
Wir würden uns für unsere weiteren
Aktivitäten natürlich über Interessierte -
insbesondere aus St. Pauli - freuen, um durch deren
Mitarbeit zusätzliche Kontakte und mehr Infos aus
den anderen Quartieren zu bekommen. Infos über
laufende Aktivitäten und die Termine der
nächsten Treffen der Verkehrsini gibt es unter den
Telefonnummern 040/4 39 54 07 oder 43 68 35.