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Motorisierter Verkehr Kein Thema für die lokale Agenda 21 in Hamburg? |
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Spätestens seit den 60er Jahren beeinflußt der Autoverkehr
das Leben in der Stadt negativ. War früher die Straße ein
Ort für menschliche Kontakte, so zertrennt sie heute die
einzelnen Quartiere in Form von Schneisen, die soziale
Kontakte verhindern. Die Stadt wird immer noch an Autos
angepaßt statt an die Menschen. Durch Ressourcenverbrauch,
Lärmbelästigung, Schadstoffemissionen, Unfallgefahr,
Gesundheitsgefährdung und Flächenverbrauch wird für
die Gesellschaft weit größerer Schaden als Nutzen
geschaffen. Viele Menschen werden durch die wachsenden
innerstädtischen Autoströme ins Umland vertrieben,
wodurch die Abhängigkeit vom Auto erhöht wird. Die
Folge ist zusätzlicher motorisierter Verkehr. So
werden durch das Auto Entfernungen geschaffen, die
dann mit dem Auto überwunden werden - ein Paradox!
Umweltgerechte Stadtentwicklung und Klimaschutz im Hinblick auf den motorisierten Verkehr erfordern Umdenken und Flexibilität, mehr als nur die Einführung von Jobtickets, nach unserem Wissen der bisher einzige Beitrag der Hamburger Behörden zum Thema Verkehr innerhalb der Agenda 21. Viel zu lange wurde auf Verkehrsprobleme mit Einzelmaßnahmen reagiert, und dabei wurde stets dem Verkehrsmittel Auto der Vorrang gewährt. RadfahrerInnen und FußgängerInnen sind bis heute auf der Strecke geblieben, finanzieren jedoch mit ihren Steuergeldern Bauten für ein Verkehrsmittel, das sie nicht nur in ihrer Mobilität beeinträchtigt. Darüber hinaus können sie als umweltfreundlichste VerkehrsteilnehmerInnen im Gegensatz zu AutofahrerInnen verschwindend geringe Beträge pro Entfernungskilometer steuerlich absetzen. |
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Was ist die Agenda 21? |
| Im Juni 1992 verabschiedeten 170 Staaten - unter ihnen die Bundesrepublik Deutschland - auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro die Agenda 21, ein Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert. Das Ziel war, die immer knapper werdenden Ressourcen, d. h. die nicht wiederherzustellenden Rohstoffe wie z. B. Erdöl, Erdgas, Kohle, Grundwasser, Boden und die Atmosphäre, zu schonen und die ökologische Tragfähigkeit der Erde nicht zu überfordern. In 40 Kapiteln wurden Themen wie Armutsbekämpfung, Änderung des bisherigen Konsumverhaltens und Erhaltung der natürlichen Ressourcen beschrieben. Anlaß des Erdgipfels war die sich ständig erhöhende Treibhausgaskonzentration, die gefährliche Klimaveränderungen hervorruft (Hauptverursacher ist u. a. der motorisierte Verkehr mit seinen CO2-Emissionen). Die unterzeichnenden Staaten waren sich einig, daß sich die Lebensweise der Industriestaaten nicht auf fünf und mehr Milliarden Menschen ausdehnen läßt, da das die Erde nicht verkraften würde. |
| Ziele der Agenda 21 für Hamburg |
| Der globale Konsens der Agenda 21 führte zur lokalen Agenda 21. In Kapitel 28 werden die kommunalen Gebietskörperschaften weltweit aufgefordert, in einen Dialog mit Ihren BürgerInnen, mit Organisationen und der Privatwirtschaft zu treten, um von ihnen zu lernen mit dem Ziel, auf lokaler Ebene einen globalen Beitrag zur Umsetzung der in Rio vereinbarten Konventionen zu leisten. Mit der Unterzeichnung der Aalborg-Charta am 27.05.1994 verpflichtete sich die Stadt Hamburg zur Umsetzung dieser Ziele, deren Schwerpunkte für Hamburg im Klimaschutz, im zukunftsfähigen Produzieren und Konsumieren sowie in einer umweltgerechten Stadtentwicklung liegen. |
| Unsere Ziele |
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Besonders für den vom Verkehrsinfarkt
bedrohten Stadtteil St. Pauli ist es
unser Ziel, eine sozial-, umwelt- und
raumverträgliche Lösung im Zuge der
lokalen Agenda 21 für Hamburg zu finden.
Sozialverträglich bedeutet, daß
alle VerkehrsteilnehmerInnen gleiche
Rechte und gleiche Mobilitätschancen haben;
umweltverträglich bedeutet, die
Abgasemissionen und den Flächenverbrauch
zu reduzieren, raumverträglich heißt,
daß sich der Verkehr an die historisch gewachsene
Stadt anpaßt und nicht umgekehrt. Ansatz sollte
das auf der UN-Kommission hervorgehobene Prinzip
der Nachhaltigkeit sein, d. h., die dauerhafte
Nutzung der Ressourcen als Lebensgrundlage.
Die zusätzliche Förderung des Verkehrsmittels
Auto wie der Bau der vierten Elbtunnelröhre
ist nicht nur keine Lösung, sondern steht in
krassem Widerspruch zu den in der Agenda 21
formulierten Zielen. Umdenken und die
Praktizierung neuer Lebensstile, neues
Konsumverhalten und neue Mobilitätsmuster
sind gefragt.
Gerade in dem mit motorisiertem Verkehr überdurchschnittlich hoch belasteten Stadtteil St. Pauli verfügen im Vergleich zu anderen Stadtteilen nur wenige Menschen über ein Auto. Dies ist zum Teil durch Armut bedingt, beruht aber auch auf bewußter Entscheidung der BewohnerInnen. Dieses Potential könnte noch erweitert werden durch den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, des Radverkehrs und nicht zuletzt durch bessere Bedingungen für FußgängerInnen und besonders Kinder. Dies wäre nicht nur eine "Belohnung" für das umweltgerechte Verhalten der St. PaulianerInnen, sondern auch eine Maßnahme zur Verringerung der CO2-Emissionen, wie sie die Agenda 21 und zahlreiche politische Erklärungen immer wieder gefordert haben.
Hamburg, im Juni 1998
V.i.S.d.P.: Verkehrsinitiative Karolinenviertel |
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