Sehr geehrte Frau Staatsrätin Maier-Reimer!
Ihnen untersteht die Stadtentwicklungsbehörde, die STEB und in gewissem Sinne auch die STEG.
Wissen Sie, mit welchen Methoden diese Behörden die Sanierung im Schanzen-/ Karolinenviertel betreiben?
Wissen Sie, wie in der Vorlage für den Stadtplanungsausschuß am 8. September Mieterrechte ausgehebelt
werden, wie manipuliert wird? Wissen Sie, wie zur wundersamen Wohnflächenvermehrung
Nettowohnfläche bei unseren Altbauten und Bruttowohlfläche bei Neubauten zum Nutzen
für die Ziele des Investors verglichen wird?
Die Zweckentfremdungsverordnung schützt Wohnraum und Mieter.
Ihre Behörde versucht diese Verordnung auszuhebeln. Sie macht dem
Investor detaillierte Angaben für eine Umgehung dieser Verordnung.
Entgegen allen Sanierungszielen, entgegen dem immer noch gültigen
Städtebaulichen Vertrag, entgegen den Globalrichtlinien des Senats
favorisiert die STEG bei unseren Häusern immer noch den Abriß.
Um dieses Ziel durchzusetzen, droht man den Bezirksabgeordneten mit
Kosten von 2.4 Millionen Mark, die durch den Erhalt verursacht würde.
Wissentlich verschweigen STEB und STEG, daß jeder Eigentümer verpflichtet
ist, Instandsetzungen an Wohnraum auf eigene Kosten durchzuführen. Das
Baugesetzbuch bestimmt, daß dann, wenn die überschießenden Kosten der
Sanierung darauf zurückzuführen sind, daß der Hauseigentümer Instandsetzungen
in der Vergangenheit unterlassen hat, er diese Kosten selbst zu tragen hat.
Kein Argument kann der zwischenzeitliche Eigentümerwechsel sein. Durch
Verkauf tritt der Käufer in sämtliche Rechte und Pflichten betreffend das
Grundstück ohne Einschränkung ein und haftet sowohl den Mietern als auch der
Öffentlichkeit für den mangelhaften Zustand eines Gebäudes als Rechtsnachfolger.
Der Preis für ein derart vernachlässigtes Haus ist dementsprechend niedrig.
Sanierungsbeirat Hr. Müller von Erika`s Eck spricht von einem Kaufpreis der
Sternstr. 115 von 210.000.-. STEG und STEB sprechen in Ihren Papieren von
sage und schreibe nur 430.000DM für alle drei Wohnhäuser Schanzenstr. 52 und
54 und Sternstr. 115. Verehrte Frau Staatsrätin, für welchen Preis sind unsere
Häuser verkauft worden?
Der genaue Preis ist unerheblich. In jedem Fall kauften die Investoren unsere
Häuser billigst. Argumentiert wird, daß Neubauten mehr Quadratmeter Wohnfläche haben.
Nun zur wundersamen Wohnflächenvermehrung: Die STEG spricht von 1565qm Wohnfläche des
Bestands. Hier wird schon seit Herbst 1998 manipuliert, als man den Investoren in den
QN Nachrichten vom Dezember 1998 zu Wort kommen läßt: "Die gute Seite am Abriss sei,
so Nugent, daß man in einen Neubau mehr Wohnungen als bisher schaffen Könne. Die STEG
liefert dazu in der Sitzungsvorlage folgende Zahlen: 1565qm im jetzigen Altbau, 2970qm
im geplantem Neubau. Mit Kürzeln verschleiert wird dabei die Tatsache ,daß ein Netto
für Altbauten (ohne Dachausbau) mit Brutto für Neubauten (mit Dachausbau) verglichen
wird. Das macht ca. 30% aus. Versteckt wird im dem Papier, daß der sanierte Altbau
auch 2450qm Wohnfläche hat. Nur durch die Tatsache, daß die Neubauten niedriger werden,
bekommt man etwas mehr Wohnfläche bei verminderter Wohnqualität.
Nachdem dem Investor über viele Seiten von STEB und STEG Möglichkeiten
für den Abriss aufgezeigt wurden, bleibt in der Beschlußvorlage, die allen
Bezirksabgeordneten des Stadtplanungsausschußes seit letzten Montag vorliegt,
nur der dürftige Halbsatz: "Die Mieterzustimmung für den Abriss wird von der
STEB vorausgesetzt." Wie kommt es zu diesem nichtsagenden und falschen Satz,
wo doch die STEG seit Herbst 1998 den eindeutigen Mieterwillen gegen ihre
Abrisspläne zu Protokoll nehmen mußte?
Sehr geehrte Frau Staatsrätin Maier-Reimer! Holen Sie die STEB und STEG
auf den Boden der Sanierungsziele zurück. Erteilen Sie dem
Sanierungsarbeitskreis SAK (setzt sich aus STEG, Vertretern des
Bezirksamtes und der Verwaltung zusammen), der STEG und der Fachbehörde,
die sich hinter dem Kürzel STEB/SB 142 verbirgt, Einzelweisung: eine
behutsame sozialverträgliche ......, preiswerten Wohnraum zu sichern,
Bewohnerinnen und Bewohner vor Verdrängung zu schützen und die Wohnqualität
insbesondere durch Instandsetzung nachhaltig zu verbessern. Setzen Sie durch,
daß die Globalrichtlinien des Senats für STEB und STEG bindend sind.
Sorgen Sie dafür, daß nicht Gutachter bestellt werden, die Kosten von
Wohnungsverkleinerungen und abgetrennten WC schätzen, sondern Gutachter,
die eine behutsame Sanierung unter Einbeziehung der bereits von den Mietern
erfolgten Sanierung mitberücksichtigt.
Haben Sie Verständniss dafür, daß wir mit dieser STEG, die manipuliert
und unsere gesetzlich verankerten Mieterrechte aushebelt. nichts mehr zu
tun haben wollen. Der Gipfel der Unverfrorenheit wurde aber durch eine
Aussage einer maßgeblichen Person der STEG erreicht: Die STEG würde keine
Mieterinteressen vertreten, dafür sind die Mietervereine da.
Künftige Versammlungen, einberufen von dieser STEG Karolinenviertel
werden die Mieter ab sofort boykottieren. Mit diesen Leuten, die so
hinterrücks gegen unsere Rechte agieren, wollen wir nichts mehr zu tun haben.
Gez. Albert Ritthaler